Mischling Max findet Trüffel im Sinziger Wald Jean Marie Dumaine entdeckt mit Experten aus Frankreich die teuersten Pilze der Welt an der Ahr - Auch eine Geologin macht bei der ersten professionelle Suche in Deutschland mit
Von Rike Bouvet
Kreis Ahrweiler. "Das ist der schönste Tag für mich, es ist unglaublich - eine Sensation." Jean Marie Dumaine jubelt, während er seine Hände in den braunen Boden des Sinziger Waldes gräbt.
Der Küchenmeister und Inhaber des Sinziger Restaurants "Vieux Sinzig", Jean Marie Dumaine, präsentiert Trüffel, die er im Ahrtal gefunden hat. Sein Hund Max, ein Mischling aus dem Tierheim, erwies sich als erstklassiger Trüffelhund. Foto: dpa
Mit glänzenden Augen zieht er einen schwarzen Klumpen heraus und riecht daran. "Ja, kein Zweifel. Es ist Trüffel. Unglaublich", lacht der Sinziger Kräuterkoch. Freude auch bei Geologin Susanne Brüning-Schmitz und den professionellen Trüffelsuchern Jean-Claude Pargney und Gérard Meunier. Sie kamen eigens aus Frankreich mit dem auf Trüffelsuche spezialisierten Labrador Iffy an die Ahr, um mit Dumaine, seinem Hund Max und der Geologin auf Pilzexpedition zu gehen.
"Es ist die erste professionelle Trüffelsuche in Deutschland und dabei stoßen wir gleich auf sehr hochwertige und aromatische Trüffel wie Tuber", berichtet Dumaine am Montag stolz. "Es ist wie Goldsuche, total spannend und aufregend", schwärmt er. "In den vergangenen 20 Jahren wurden die wucherigen Pilze im Kreis Ahrweiler nur zwei Mal gefunden.
Dumaine lernte die französischen Pilzexperten bei einem Trüffelfestival in Frankreich kennen. Dabei habe er mit den beiden einen Termin zur gemeinsamen Trüffelsuche ausgemacht, und am Montag sei es endlich soweit gewesen. "Ich habe zu 70 Prozent geglaubt, dass wir Erfolg haben", gesteht Dumaine.
Auch die Franzosen waren ob des üppigen Trüffelfundes begeistert. "Das ist ein Biotop für Trüffel, die Voraussetzungen sind ideal", sagte Gerard Meunier mit Blick auf Baumbestand und Bodenbeschaffenheit. "Eine gute Kolonie", stellte er anerkennend fest.
Auch für die Geologin Susanne Brüning-Schmitz, die in der Vergangenheit bereits mehrfach mit Dumaine Aktionen für Gourmets und Naturfreunde durchführte, war der prompte Fund ein außergewöhnliches Erfolgserlebnis. Sie hatte die Landstriche ausgewählt, die aufgrund ihres Kalkgehaltes und der Lößablagerungen überhaupt in Frage kamen.
Denn, will man auf Trüffel stoßen, muss das Gesamtarrangement stimmen. "Susanne Brüning-Schmitz hatte die beste Spürnase", sagte Dumaine, der den genauen Fundort natürlich nicht verrät. Vor allem Dank der feinen Nase seines temperamentvollen Hundes Max wurden Dumaine und die Trüffelsucher schnell fündig.
Nachdem der goldbraune Mischling den Fundort wild kläffend angebuddelt hatte, taten es ihm die Trüffelsucher nach und schnupperten den Waldboden nach den Aromen der kostbaren Knollenpilze ab. "Hier riecht es eindeutig nach Trüffel", waren sie sich einig. Und während sie einen Pilz nach dem anderen ans Tageslicht beförderten, stöberte Max bereits den nächsten Schatz auf. Zehn Trüffel - ungefähr 250 Gramm machten Dumaine und seine Begleiter allein in den ersten Stunden ausfindig. Dabei kam Max, den Dumaine als Welpe aus dem Remagener Tierheim geholt hatte, immer besser in Fahrt.
Seine Spürnase für Trüffel war dem findigen Koch aus Sinzig vor einigen Jahren in Frankreich aufgefallen, wo der Hund direkt auf Trüffel reagierte. "Er war ganz verrückt darauf", erinnert sich Dumaine: "Wir müssen nur aufpassen, dass er die Trüffel nicht gleich auffrisst."
Trüffel
Trüffeln sind knollenartige Pilze, die hauptsächlich in Südfrankreich und Norditalien vorkommen. Sie wachsen unterirdisch an Baumwurzeln, bevorzugt an Eichen und Pappeln. Aufgespürt werden sie abgerichteten Hunden und Schweinen mit ihrem feinen Geruchssinn von Oktober bis Januar.
Französische "schwarze" Trüffel haben dunkles, fast schwarzes Fruchtfleisch mit leichter Marmorierung während italienische "weiße" Trüffel beige bis hellbraunes Fruchtfleisch ohne Marmorierung haben.
Das Fruchtfleisch ist fest und enthält wenig Flüssigkeit, der Duft ist sehr intensiv, weshalb sie im Allgemeinen auch nur in kleinen Mengen zum Würzen verwendet werden. Trüffel sind die teuersten Pilze der Welt und gelten als das stärkste natürliche Aphrodisiakum.
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